Eisenbahn
Scheinbar bin ich mit dem Virus Eisenbahn zur Welt gekommen. Solange ich zurückdenken kann, fasziniert mich dieses Verkehrsmittel. Als kleines Kind stellte ich mich oft auf Brücken und winkte den Lokführern beim Vorbeifahren zu. Ein Highlight fand Anfang der 80er Jahre in Würzburg statt. Ich durfte meine Lieblingslokomotive der Baureihe 103 von Innen sehen. Damals hatten die Intercitys noch 20 Minuten Aufenthalt im Bahnhof und die beiden Lokführer führten mir die elegante, vor Kraft strotzende Maschine vor. Herrlich! Bombastisch! Gigantisch!
1985 war in Würzburg ein großes Bahnfest. Der ICE-V hatte zuvor den Weltrekord auf Schienen aufgestellt. Leider interessierte ich mich dafür dmals aber überhaupt nicht. Ich hatte nur Augen für "meine" Baureihe 103.
Ende der 80er Jahre bekam ich ein Eisenbahn-Quartettspiel geschenkt. Auf einmal machte ein anderer Zug meiner Ellok im Herzen Konkurrenz. Es war der TGV-PSE. Boah, sah der futuristisch aus! Daraufhin kaufte mir meine Mutter ein Eisenbahn-Heft (Eisenbahn- und Modellbahn-Magazin 11/89, in dem es um den TGV-Atlantique ging. Ich war hin und weg und zum Mitnehmen! Völlig aus dem Häuschen! 300 km/h!!! Lange Zeit war der Franzose mein unangefochtener Favorit, vor allem, seit er am 18. Mai 1990 mit 515,3 km/h den Weltrekord für Schienenfahrzeuge aufstellte.
1991 begann in Deutschland das ICE-Zeitalter. Da ich vorher bereits mit dem TGV gefahren bin, war ich besonders neugierig, wie wohl der ICE im Vergleich dazu abschneidet. Der Komfort hatte mich schier umgehauen. Der ICE holte bei mir auf und als ich noch mitbekam, dass die Franzosen den TGV als heilige Kuh betrachten und alles andere in ihren Augen Müll ist, mutierte ich zum ICE-Fan. Ich hätte es gerne gesehen, wenn der ICE dem TGV das Blaue Band der Schiene mit einem neuen Weltrekord abgejagt hätte, aber darauf warte ich heute noch.
Während meines Studiums war ich öfters im Rechenzentrum anzutreffen. Dabei fand ich heraus, dass Japan auch eine Menge Hochgeschwindigkeitszüge hat, war zu den "Japanern" aber neutral eingestellt. Eines schönen Tages kaufte ich mir wie üblich ein Eisenbahn-Magazin. Als ich die Seiten durchblätterte, traute ich meinen Augen kaum: ein Düsenjäger auf Schienen! Der voll abgefahren gestylte Shinkansen der Serie 500 hinterließ bei mir bleibenden Eindruck. Je öfter ich das Foto sah, umso mehr verliebte ich mich in den schnellsten japanischen Hochgeschwindigkeitszug. Er landete kurze Zeit später auf Platz 1 meiner Favoritenliste. Und dieser Superzug ist bis heute mein Lieblingszug geblieben. Auf Platz 2 rangiert der ICE 3, an dritter Stelle kommt der TGV-Duplex, der Big Mac unter den schnellen Franzosen.
Als Eisenbahnfan hat man es in der Realität schwer. Kaum jemand interessiert sich für die schnelle Bahn. Als ich das Internet kennen lernte, fand ich es schnell langweilig, nur zu surfen. Ich wollte selbst mitmischen. Da es schon eine ICE- und eine TGV-Website gab und ich nicht das Gleiche wie Andere schreiben wollte, begann ich Ende 1996 mit einer Website über die Würzburger Straßenbahn. Dennoch ließ mich das Superzug-Fieber nicht los. Ich beschloss daher im Jahr 1999, eine Website aufzubauen, in der ich ALLE Hochgeschwindigkeitszüge der Welt vorstellen und miteinander vergleichen wollte. Als Gesamtumfang waren etwa 10 DIN A4-Seiten Text plus ein paar Fotos von jedem Zugtyp angedacht. Oh Mann, wie hatte ich mich doch verkalkuliert! Die Hochgeschwindigkeitszüge schossen wie Pilze aus dem Boden. Ständig gab es Neues zu berichten. Die Website expandierte entsprechend stark. Jede freie Minute nutzte ich für den Ausbau des Internetauftritts. Neue Fotos mussten her! Ich buchte Bahnfahrten, kaufte mir eine semiprofessionelle Kamera und einen Diascanner. Ich kaufte mir Photoshop und Flash, um die Bilder zu bearbeiten und interaktive Streckenkarten zu erstellen, studierte Fahrpläne und jede Menge Bücher und Websites zu diesem Thema.
Im April 2010 wagte ich mit an ein Mammutprojekt heran: Die statischen HTML-Seiten mussten einem selbst entworfenenen Content-Management-System weichen. Alle rund 700 Fotos erstellte ich neu, pflegte sie in die Datenbank ein, und schrieb nebenbei einige Artikel neu. Nach etwa einem Jahr war der Wechsel vollzogen. Nun habe ich es wesentlich leichter, mich auf den Content zu konzentrieren und ihn schneller einzupflegen. Seitdem baue ich regelmäßig meine Website aus.
Eines kann ich sagen: hätte ich das vorher gewusst, wie aufwendig das Hobby ist, hätte ich nie damit angefangen. Es kostete sehr, sehr viel Zeit, Kraft und Geld! Aber einstellen werde ich das Projekt nie, denn eines steht fest: Ich bin ein Eisenbahnfan und werde auch immer einer bleiben :-)