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Lohnt es sich heute noch, eine private Website zu betreiben?

Mammutprojekt Website

12.03.2026

Warum ich mit meinen Websites begann

Das Eisenbahn-Virus wurde mir in die Wiege gelegt. Im Alter von nur vier Jahren stand ich regelmäßig mit meiner Mutter auf Brücken, um den Lokfahrern zuzuwinken. Schon immer war ich total in die Baureihe 103 verschossen. Für mich existierte nur diese Schnellfahrlok. Doch dann bekam ich ein Kartenspiel geschenkt. Als ich dort den orangen TGV Sud-Est das erste Mal sah, verliebte ich mich auf den ersten Blick in diesen Hochgeschwindigkeitszug. Später bekam ich überraschend meine erste Eisenbahnzeitschrift geschenkt: das Eisenbahn Magazin vom November 1989. Wow, ein silberner TGV Atlantique, der 300 km/h erreicht? Hammer! Ein Jahr später besuchte ich meinen Brieffreund in Frankreich. Das erste Mal reiste ich mit dem TGV. Auf dem Weg von Paris nach Anger kamen mir bei Tempo 300 vor lauter Euphorie die Tränen. Hochgeschwindigkeitszüge waren genau MEIN Ding!

1995 durfte ich im Führerstand vom ICE 1 mitfahren. Diese unvergessliche Fahrt von Würzburg nach Kassel-Wilhelmshöhe und zurück beeindruckte mich tief. Wieder ein Jahr später gönnte ich mir eine „Europatour“ mit Hochgeschwindigkeitszügen: ICE, TGV, AVE und Eurostar standen auf dem Programm. Besonders die AVE-Fahrt von Madrid nach Sevilla und zurück hinterließ einen bleibenden Eindruck; mit „toujours“ 300 km/h durch eine bizarre Landschaft zu rasen, war gigantisch. Wieder zu Hause angekommen, schrieb ich einen Artikel über den AVE S-100. „Eigentlich müssten das auch andere lesen!“

Nun ja, auf dem European Railway Server gab es schon Seiten über den ICE, TGV und AVE. Also suchte ich mir eine „Marktlücke“. Als Straßenbahn-Fan war mir sonnenklar, dass ich eben eine Website über die Würzburger Straßenbahn erstellen werde, zumal gerade die neuesten Flaggschiffe (GT-N) anrollten. Ausstaffiert mit vielen Unterlagen seitens der WSB entstand Ende 1996 mein erster Internetauftritt. Schnell wurden Kontakte zu Straßenbahnfreunden aus anderen Städten geknüpft, man gehörte zu einer tollen Community.

1998 stolperte ich jedoch über eine mega gute Website: byun byun shinkansen. „So viele Hochgeschwindigkeitszüge gibt es in Japan? Das müssen auch andere erfahren!“ Mein Entschluss war gefasst: „Jetzt muss auch eine Website über Hochgeschwindigkeitszüge her!“ Mein Ziel war es, jeden Zug in einem kurzen Artikel von umgerechnet einer DIN-A4-Seite vorzustellen, garniert mit drei Fotos und ein paar technischen Daten. So um die 20 DIN-A4-Seiten schienen machbar zu sein.

Der immense Aufwand, eine Website zu betreiben

Überschwappende Begeisterung für Straßenbahnen und Hochgeschwindigkeitszüge motivierte mich, nicht nur über die Fahrzeuge zu schreiben, sondern auch die technischen Herausforderungen anzunehmen, die mit der Erstellung eines eigenen Internetauftritts verbunden sind. Ich eignete mir HTML 3.2 an, kaufte Bücher über Superzüge und fotografierte, scannte und bearbeitete das Bildmaterial mit Corel Photopaint 7. Anfang 2000 kaufte ich mir Macromedia Dreamweaver 3, um nicht immer alles im Notepad von Windows NT eintippen zu müssen. 2001 wechselte ich von Würzburg Online zu einen Hoster, wo ich meine ersten Domains registrieren ließ. Bei Strato gab es ein kostenloses Software-Paket, mit Adobe GoLive als Highlight. Macromedia Flash wuchs seinerzeit zu einem tollen Multimedia-Werkzeug heran – ideal, um interaktive Streckennetzkarten zu erstellen. Ich kaufte mir Flash MX und lernte ActionScript.

Im Laufe der Jahre versenkte ich jede Menge Geld in Hard- und Software. 2003 gönnte ich mir meine erste Spiegelreflexkamera. 2005 wich die Nikon F80 einer Canon EOS 20D, 2011 diese wiederum einer EOS 60D. 2004 kam ein Diascanner ins Haus, der dank Digitalkamera alsbald obsolet wurde. Ständig kaufte ich Softwareupdates. Ein Highlight war die Adobe CS4 Design Premium. Ein weiterer immenser Kostenfaktor waren die Reisen, um Hochgeschwindigkeitszüge vor allem in Frankreich aber auch in Italien zu fotografieren.

Am meisten investiert man als Websitebetreiber aber in Zeit, die man mit dem Recherchieren, Schreiben und Aktualisieren verbringt. Es blieb ja schließlich nicht bei 20 verschiedenen Hochgeschwindigkeitszügen, und auch nicht bei einem Textumfang von lediglich umgerechnet einer DIN-A4-Seite pro Zug. Rasch wuchs mir der Aufwand über den Kopf. Zuerst stellte ich die Webpräsenz über die Würzburger Straßenbahn ein. Ein Jahr später wollte ich auch die Superzüge vom Netz nehmen. Doch viele baten mich, den Onlineauftritt wieder zu reaktivieren. Nur sporadisch fand ich mal Zeit zum „Herumbasteln“. 2009 baute ich dann doch eine komplett neue Website mit PHP und MySQL, mit einem selbst programmierten Backend. So konnte ich viele Arbeitsschritte automatisieren und leichter aktualisieren. GoLive war damit passé und ich um Programmiererfahrung reicher.

Apropos recherchieren: Schon ab Anfang der Zweitausenderjahre digitalisierte ich alle gekauften Zeitschriften und Bücher, speicherte die Ergebnisse von Internetrecherchen ab und dachte mir ein sinnvolles Namens- und Ordnerschema aus, um Informationen schnell wiederzufinden. OCR und Spotlight von MacOS X waren mir eine große Hilfe. Video-Dokus speicherte ich in späteren Jahren ebenfalls ab, programmierte mir eine Datenbank, um innerhalb eines Film schnell zu wichtigen Informationen springen zu können. Suchte ich beispielsweise nach dem Stichwort „Tunnelknall“, erschienen alle Videos, in denen das Thema behandelt wurde. Klickte ich auf ein Suchergebnis, startete der Ausschnitt genau an der richtigen Position.

In den 2010er Jahren verschwand Flash langsam in der Versenkung. Das ärgerte mich sehr, hatte ich doch inzwischen eine europaweite, detaillierte, interaktive Streckenkarte aufgebaut, mit Ausbau- und Neubaustrecken samt Daten dazu. Außerdem konnte man sich anzeigen lassen, wo welche Baureihen verkehrten. Flash MX, Flash CS3, Flash CS4 sowie einige Videotraining-CDs waren plötzlich wertlos.

Außerdem surften die Besucher zunehmend mit dem Smartphone, also musste eine extra Version auf Basis von jQuery Mobile her. Letztendlich baute ich abermals eine von Grund auf neue, responsive Website, bei der auch das Backend komplett auf neue Beine gestellt wurde. Ja, und das eben nicht nur für die Website über Hochgeschwindigkeitszüge. Den Kraftakt unternahm ich auch für die WSB-Website.

Lohnt sich das „Mammutprojekt Website“?

Würde ich heute nochmal eine Website erstellen? Also wenn ich vorher gewusst hätte, wieviel Zeit, Geld und Anstrengung meine Internetpräsenzen kosten, hätte ich nie damit angefangen. Hätte ich Ende der Neunziger geahnt, dass in einer künftigen Online-Bibliothek namens Wikipedia detailliertere, ausführlichere Informationen über Superzüge und Schnellfahrstrecken erscheinen würden – und auch noch in mehreren Sprachen – dann hätte ich keinerlei Sinn darin gesehen, selbst eine Onlinepräsenz aufzubauen. Aber nun sind meine Websites seit 28 und 30 Jahren online. Nach wie vor ist die Begeisterung für schnelle Züge und langsame Straßenbahnen ungebremst, was mich motiviert, auch weiterhin an meinen Websites zu arbeiten.


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