neuerälter

30 Jahre Windows NT4

25.08.2026

Im Januar 1993 wechselte ich von einem Amiga 500 auf einen PC. Der Leistungsschub hätte damals kaum größer sein können, denn der 486er rann mit 50 MHz, hatte 4 MB RAM und eine Festplatte mit üppigen 170 MB. Als Betriebssystem war MS-DOS 5.0 installiert, zusammen mit der grafischen Oberfläche Windows 3.1. Auf den ersten Blick sah Windows mit einer Auflösung von 800 x 600 Pixeln und 256 Farben hervorragend aus, doch ständig meckerte es über maue Systemressourcen. Ein Jahr später investierte ich in sündhaft teure 16 MB RAM, aber die Speicherverwaltung unter dem technisch veralteten DOS-/Windows-Gespann zickte trotzdem noch herum.

1994 bahnte sich ein großer Hype um den Nachfolger, Windows 95, an. Auf der CeBIT 1995 war das kommende Windows mit seiner neuen Benutzeroberfläche in aller Munde. Ich dagegen liebäugelte mit einem anderen Betriebssystem: Windows NT. Es hieß, mit ihm seien meine Speicherprobleme passé. Auch würden Komplettabstürze der Vergangenheit angehören. Mein Computerhändler des Vertrauens riet mir, auf die neue NT-Version 4 zu warten, um in den Genuss der Windows-95-Oberfläche zu kommen.

Start-Logo von Windows NT4 Workstation

Während die anderen im Rausch von Windows 95 waren, musste ich darben. Erst im Dezember 1996 hielt ich endlich „mein“ Windows NT 4.0 Workstation in den Händen. Ich konnte es kaum abwarten, das OS auf meinen selbst zusammengestoppelten Pentium 75 zu installieren. Nun ja, die Installation klappte zwar, doch der Scanner machte keinen Mucks. Es stellte sich heraus, dass NT4 keine 8-Bit-Karten unterstützt; also musste ich mir eine 16-Bit-SCSI-Karte kaufen. Ja, der damals noch mangelhafte Treibersupport kam mir teuer zu stehen. So kaufte ich mir noch eine Matrox Millennium Grafikkarte und ein US-Robotics Sportster Flash 56k-Modem. Meine alte Software – AmiPro, Lotus 1-2-3 und Freelance Graphics – lief zwar im 16-Bit-Modus einwandfrei, profitierte aber nicht vom genialen Dateisystem NTFS mit seinen langen Dateinamen. Nur CorelDRAW! 7 werkelte als native 32-Bit-Anwendung perfekt unter NT. Trotz aller Einstiegshürden und teuren Nachkäufen begeisterte mich NT4 über Jahre. Präemptives Multitasking, Speicherschutz, ein robustes Dateisystem und die nach einigen Service Packs legendäre Stabilität ließen Windows 95 und dessen Nachfolger blass aussehen.

Screenshot von Windows NT4 Workstation Systemeinstellungen

Gab es Mitte/Ende der Neunziger brauchbare Alternativen zu Windows NT4? Die einzig ernstzunehmende Konkurrenz wäre IBM’s OS/2 Warp 4 gewesen. Doch die Software-Entwickler stürzten sich allesamt in den Microsoft-Kosmos. Dagegen konnte auch der legendäre OS/2-Verfechter David Barnes nichts ausrichten, obwohl er 1993 in einem begeisternden Shootout die Vorzüge von OS/2 gegenüber Windows NT herausstellte. Mac OS war seinerzeit keine Option; es war technisch völlig veraltet. Linux steckte noch in den Kinderschuhen, und das als „Multimedia OS“ geplante BeOS erstickte bereits im Keim.

Mit Windows NT Version 4.0 hatte Microsoft eine signifikante Verbreitung im professionellen Sektor gefunden. Das Betriebssystem war Wegbereiter für Windows 2000 und das populäre, langlebige Windows XP. Erst 2002 trennte ich mich von meinem langjährigen Favoriten NT4 und stieg auf XP um, was für mich wieder ein Quantensprung nach vorne war.

Screenshot von Windows NT4 Workstation mit meinen damaligen Programmen

Um ein bisschen Nostalgie-Feeling aufkommen zu lassen, suchte ich auf YouTube nach Videos über Windows NT 4.0. Leider fand ich keine „schöne“ Tour durch das seinerzeit fortschrittliche Betriebssystem. Mir fehlten die Einblicke in die vielen Features und Vorzüge gegenüber Windows 95. Daher entschloss ich mich, selbst eine kleine „Spritztour“ durch NT4 zu machen.


Video: Wichtige Features von Windows NT 4.0 Workstation

Im ersten Video stelle ich die vielfältigen Funktionen und Neuerungen gegenüber älteren Windows-Versionen vor. Was seit Jahrzehnten ein alter Hut ist – so sensationell war es 1996. Eine der Stärken von NT sind die Netzwerkfähigkeiten. Das geht über das bloße Teilen von Dateien und Druckern hinaus. Feingranulare Benutzerberechtigungen sowie das Überwachen von Dokumenten gehören mit zum Repertoire.


Video: Üppige Anwendungssoftware unter Windows NT4 lässt keine Wünsche offen

Was nützt das tollste Betriebssystem ohne gute Programme?! Im zweiten Video stelle ich die Software vor, die ich zum einen in jenen Jahren unter Windows NT4 einsetzte, zum anderen später gebraucht nachkaufte: Lotus AmiPro 3.0 — CorelDRAW! 7 — Diskeeper Lite — Power Archiver 6.11 — Lotus Smartsuite 9 — Microsoft Internet Explorer 2 und 3 — Microsoft Visual Studio 97 — Microsoft Internet Explorer 4 Plus — Netscape Communicator 4.78 — Macromedia Director 6 — Deutsche Bahn Kursbuch Funtrain — Microsoft Office 2000 Premium — Macromedia Dreamweaver 3 — Adobe GoLive 6 — Macromedia Flash MX — Microsoft Encarta 2000 Plus — Norton Utilities 2001 — Norton Internet Security 2001 — FreePDF 2.11 — Corel Graphic Suite 11 — Winamp 2 — Audacity 1.2.6 — PowerDVD 3 — Adobe Premiere 4.2 — Borland Delphi 2 — Adobe Photoshop 6 — Quark XPress 5 — Adobe Pagemaker 6.5 — Adobe InDesign — Macromedia Freehand 9 — Adobe Framemaker 5
Mit diesem Video möchte ich eines betonen: Bereits vor über 25 Jahren konnten Anwender mit ihrem PC professionell arbeiten. Und ich als Privatanwender war mit Windows NT und den gekauften Programmen ohnehin wunschlos glücklich. Software ohne Zwangsaktivierung! Ohne Werbung! Ohne Abo! Ohne KI! Und sie läuft auch noch nach mehr als 25 Jahren einwandfrei!


Kommentare zu diesem Thema

Mein Kommentar dazu:


Name:
E-Mail:
Mein Kommentar:



Hinweis zum Datenschutz

Sie können den Kommentar auch ohne Nennung von Name oder E-Mail-Adresse abgeben. Nach dem Absenden Ihres Kommentars wird der Websitebetreiber per E-Mail über einen neuen Kommentar im Blog informiert. Zu dieser Zeit wird Ihr Kommentar jedoch noch nicht freigeschaltet sein. Nach dem Sichten und ggf. Freischalten des Kommentars werden Ihr Name – sofern angegeben – als auch Ihr Kommentar dauerhaft unter dem jeweiligen Artikel zu sehen sein. Ihre E-Mail-Adresse wird jedoch NICHT angezeigt. Sollten Sie zu einem späteren Zeitpunkt Ihren Kommentar widerrufen wollen, senden Sie mir bitte eine E-Mail an info |at| hochgeschwindigkeitszuege.com. Vielen Dank.